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«Dr Güggu» zwischen drei Hühnern

Er steht seit über fünfzehn Jahren auf der Bühne und hat noch nicht genug. Nach einer Babypause ist er nun wieder zurück. Marco Pfeuti, besser bekannt als Gölä, wurde vergangenen April zum vierten Mal Vater. «Baby & Kids» sprach mit dem Berner Musiker über sein Glück, Erziehungsfragen und die neueste Platte.

Matthias Mehl

Ihm ist der Erfolg nie zu Kopf gestiegen. Gölä trägt auch nach fünfzehn Jahren das Image eines sympathischen Rockers, der «büezt» und «wärcht». Er ist immer er selbst geblieben, was ihn von vielen anderen Musikern unterscheidet. Seine Erfolge begannen mit dem Album «Uf u dervo» im Jahre 1998. Dieses wurde damals zum erfolgreichsten Schweizer Mundart-Album gekürt. Seither kamen seine Fans in den Genuss von vielen weiteren Mundart-Alben, aber auch solchen auf Englisch.

Da meine Schwester und ich sehr viel auf uns allein gestellt waren, wurden wir früh selbstständig.

Seine Leidenschaft zur Rockmusik in Englischer Sprache hat er bereits in seiner Jugend entdeckt. Seit Ende Dezember 2012 ist Gölä verheiratet. Seine Frau Heidi und er gründeten kurz darauf eine Familie. Die beiden Töchter, Nikki (15 Monate) und Leslie (fünf Monate), mischen den sonst schon turbulenten Alltag der beiden auf. Grund genug für uns zu schauen, ob sich Gölä wegen seinen drei Frauen zum gefühlvollen Kuschelrocker entwickelt.

 

Gölä, was ist es für ein Gefühl, nach zwei Söhnen stolzer Vater von zwei Mädchen zu sein?

Ein herrliches. Ich geniesse es sehr, denn ich bin jetzt «dr Güggu» zwischen drei Hühnern. Im Grunde genommen ist es aber nicht viel anders als bei Jungs. Der einzige Unterschied ist, dass die Mädchen etwas weniger zwischen den Beinen haben.

 

Was hat sich in deinem Alltag verändert?

Eigentlich nicht sehr viel. Den Tag durch ist meine Frau zuhause und schaut zu unseren Töchtern. Ich kümmere mich vor allem morgens und abends um die beiden. Dann erledige ich aber dieselben Aufgaben wie meine Frau. Das heisst Füttern, Waschen oder die beiden zu Bett bringen.

 

Liest du ihnen vor dem Schlafengehen eine Geschichte vor? Vielleicht von Papagallo und Gollo?

Für die Abenteuer der beiden sind sie noch ein wenig zu klein. Wenn sie dann älter sind, sind die Geschichten sicher spannend.

 

Bist du ein strenger Vater?

Ja. Man hilft den Kindern nicht, wenn man ihnen alles durchgehen lässt. Eine antiautoritäre Erziehung nützt niemandem etwas. Am besten würden wir die Erziehung in der Natur abschauen.

 

Was macht die Natur denn besser als wir?

Ein Jungtier beisst nur einmal in ein stacheliges Tier oder eine giftige Pflanze. Es lernt ganz schnell aus seinen eigenen Fehlern.

 

Also ist es dir wichtig, dass deine Kinder ihre Erfahrungen selber machen?

Ja durchaus. Solange sie die Möglichkeiten haben, sollen sie in Pfützen hüpfen können. An Vorschriften müssen sie sich noch früh genug halten. Was ich meinen beiden Töchtern aber bereits im Vorhinein mitgeben möchte, sind gewisse Werte: Ehrlichkeit und Fleiss. Denn nichts kommt von alleine. Wichtig ist für mich auch, dass sie früh lernen, dass sie irgendwann einen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten haben.

 

Deine Frau hat schon den Wunsch geäussert, dass sie sieben Kinder haben möchte. Erfüllst du ihr diesen?

Dieser Wunsch hat sich gelegt (lacht). Wir machen nun mal Halt. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen.

 

Bist du seit jeher ein Familienmensch?

Meine Eltern führten eine Beiz, was für sie Arbeit von früh bis spät bedeutete. Aber auch meine Schwester und ich haben früh gelernt, mitzuhelfen und zu «wärche». Wenn der Arbeitstag dann auch für unsere Eltern fertig war, war es so spät, dass meine Schwester und ich bereits im Bett waren. Ein richtiges Familienleben war gar nie wirklich möglich. Da meine Schwester und ich sehr viel auf uns alleine gestellt waren, wurden wir auch sehr früh selbstständig.

 

Du «werkst» viel an eurem neuen Zuhause im Berneroberland. Was tust du bezüglich Kindersicherheit?

Wichtig ist es, sämtliche Bauvorschriften zu erfüllen. Wenn die Kinder draussen sind, müssen zudem alle gefährlichen Gegenstände und Maschinen ausser Reichweite sein. Im Haus haben wir Laufgitter, die wir, wenn unsere Töchter grösser sind, ganz einfach wieder entfernen können.

 

Du durftest in den letzten zwei Jahren einige Glücksmomente erleben: Die Geburten deiner beiden Töchter Nikki und Leslie und die Hochzeit mit Heidi. Gibt es ein Lied von dir, welches deine Lebenssituation besonders gut beschreibt?

Ja, «Dr Himu brönnt».

 

Wieso?

«I bi nid so dr Laferi», vor allem wenn es um Gefühle geht. Diese packe ich lieber in Songtexte. «Dr Himu brönnt» habe ich für Heidi geschrieben, er ist glücklicherweise ihr liebster Song geworden.

 

Ab dem 26. September ist dein neues Album «Mermaid Cowgirl» im Handel erhältlich. Wo hast du deine Inspiration dafür erhalten?

Ich habe das Glück, dass mir die Ideen für Texte meist bei alltäglichen Dingen in den Sinn kommen. Oft bin ich am «wärche», wenn ich einen Einfall habe. Dann geh ich rein und schreibe die Idee auf. Die Lieder kommen aus dem Leben, das ist die Magie. Ich geh nicht nach Südfrankreich und saufe Pastis, bis es mir endlich gelingt, einen guten Text auf Papier zu bringen.

 

Was ist speziell an dem Album?

Das Album ist englisch, da es zusammen mit dem amerikanischen Country-Duo «Bellamy Brothers» entstanden ist. Es ist mein zweites Projekt mit den Brüdern. Die Zusammenarbeit war aber ganz unterschiedlich. Während wir beim ersten Album nur über den Computer Kontakt hatten, haben wir uns für das zweite Projekt getroffen. Ich war während drei Wochen auf ihrer Farm in Amerika. Das Zusammensein mit den Musikern gehört für mich zum Musik machen dazu.