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Ernährung für Schwangere und die richtige Beikost nebst dem Stillen

Gesundheit Essen ist eines der sensibelsten Themen, wenn es um Babys geht. Von Anfang an. Trinkt es genug? Muttermilch ist das Beste, aber was, wenn es mit dem Stillen nicht klappt? Ab wann soll es feste Nahrung zu sich nehmen? Gibt es Nahrungsmittel, die verboten sind? «Baby & Kids» fasst das Wichtigste über die Ernährung im ersten Lebensjahr zusammen.

Matthias Mehl

In den ersten sechs Monaten braucht das Baby nichts anderes als Milch, so die Empfehlung der WHO. Im Idealfall Muttermilch, denn nicht nur versorgt diese das Baby mit allen Vitaminen und Nährstoffen, die es braucht, sie schützt zusätzlich vor Allergien und Infektionen. Ausserdem ist Stillen billig und die Milch ist immer in der richtigen Menge und Temperatur vorhanden. Wenn die Mutter früher als sechs Monate nach der Geburt wieder arbeiten möchte, kann die Milch abgepumpt und aufbewahrt werden (im Kühlschrank drei Tage und eingefroren sogar bis zu sechs Monate) und bei Bedarf per Schoppen verabreicht werden.
Aber nicht immer ist es möglich zu stillen. Dafür gibt es die sehr gute Alternative der Anfangsmilch für Säuglinge. Die Pulvermilch wird mit abgekochtem Wasser angerührt und geschöppelt. Mittlerweile sind diese Ersatznahrungen so gut und in der Zusammensetzung der Muttermilch so ähnlich, dass keine Frau ein schlechtes Gewissen haben muss, ihrem Kind Pulvermilch zu geben. Die sogenannte Pre-Milch kann nach Bedarf verabreicht werden. Zudem ist der Kaloriengehalt im Gegensatz zur Muttermilch immer gleich, deswegen ist auch die Sättigung stets gleich und das Baby wird schneller einen regelmässigen Essrhythmus finden. Und: Den Schoppen kann auch der Papa geben und die Mama bekommt so mehr Schlaf.

Beikoststart – was muss man beachten?

Die Empfehlung der Kinderärzte lautet, frühestens mit fünf, spätestens mit sieben Monaten mit Beikost zu beginnen. Meist gibt es zuerst mittags Gemüsebrei, z.B. Karotte oder Pastinake.

Kuhmilch, Quark, Honig und Nüsse sollten im ersten Lebensjahr nicht, Salz nur sehr sparsam eingesetzt werden.

Am Anfang wird das Baby nur einige Löffel essen, deswegen ein Tipp: Brei zubereiten und in einem Eiswürfelbehälter einfrieren. Ein bis zwei Würfel auftauen und verabreichen, danach stillen oder das Fläschchen geben, bis das Baby satt ist. Die Menge nach und nach steigern und zum Brei immer etwas Wasser anbieten. Ist die Mahlzeit vollständig ersetzt, kann nachmittags der Obst-Getreide Brei (z.B. ungesüsstes Apfelmus mit Hirseflocken) und danach abends der Getreidemilchbrei (Getreideflocken mit Pulvermilch oder Muttermilch) eingeführt werden. Einige Nahrungsmittel sollten im ersten Lebensjahr nicht auf dem Speiseplan stehen: Kuhmilch, Quark, Honig und Nüsse sollten nicht, Salz nur sehr sparsam eingesetzt werden.

Immer beliebter wird das sogenannte «Baby-led Weaning» (vom Baby geführte Entwöhnung). Das Prinzip dieser Methode ist, dass dem Kind nichts verabreicht wird. Es bekommt eine Auswahl geeigneter Nahrungsmittel als Fingerfood angeboten und bedient sich selbst.
Für die Eltern bedeutet das einerseits weniger Arbeit, weil keine Breie herzustellen sind, andererseits aber mehr Putzarbeit, denn die Fingerfertigkeit des Nachwuchses lässt am Anfang noch sehr zu wünschen übrig und meist landet mehr Essen auf dem Boden als im Bauch.

Und wie ernährt sich die werdende Mutter?

Punkto Ernährung gelten in der Schwangerschaft und Stillzeit mehr oder weniger die gleichen Empfehlungen wie immer. Das Bundesamt für Gesundheit verweist in seiner Broschüre auf die bekannte Ernährungspyramide: Viel Flüssigkeit, fünfmal täglich Obst und Gemüse, Kohlenhydrate zu jeder Hauptmahlzeit, genügend tierische oder pflanzliche Eiweisse, mit Mass wertvolle Fette und Öle, Zurückhaltung bei Süssigkeiten. Der Kalorienbedarf steigt erst etwa in der vierten Schwangerschaftswoche an. Eine stillende Mutter benötigt hingegen etwa 650 Kilokalorien mehr als sonst. Der hohe Energiebedarf ist eine gute Chance, überflüssige Pfunde wieder loszuwerden.

Etwas anders sieht es bei den Vitaminen und Mineralstoffen aus: Hier ist der Bedarf bereits ab dem ersten Schwangerschaftstag höher. Dem verbreiteten Eisenmangel beugen viele Ärzte mit einem Eisenpräparat vor, das auch andere Mineralstoffe enthält. Auch Vollkornprodukte sind gute Lieferanten dieser Stoffe. Von einer fleischlosen oder gar veganen Ernähung wird in der Schwangerschaft eher abgeraten. In diesem Fall sind ergänzende Präparate meist unumgänglich.

Ein äusserst wichtiges Vitamin ist die Folsäure – und zwar bereits vor der Befruchtung. Der Stoff hat eine wichtige Funktion bei der Zellteilung. Unter Folsäuremangel kann eine Lücke im Neuralrohr entstehen, bei der die Nerven nur von einer dünnen Haut geschützt werden. Betroffene Kinder werden mit einem «offenen Rücken», einer sogenannten Spina Bifida, geboren und sind in der unteren Körperhälfte gelähmt. Frauen in gebärfähigem Alter sollten deshalb vorbeugend Folsäure einnehmen. Denn die erste Kontrolle findet normalerweise frühestens im zweiten Monat statt, wenn der entscheidende Entwicklungsschritt bereits stattgefunden hat.